Kapitel 1
In der Großen Johannisstraße, der Börse und dem neuen Rathhaus gegenüber, befindet sich die Buchhandlung von Johannes Roth u. Co., eine der ältesten Buchhandlungen Hamburgs. Von außen sieht man der Handlung ihr Alter nicht an. Das Haus, in dessen Parterrelokalitäten, rechts der Diele, schon über ein halbes Jahrhundert ein bücherkaufendes Publikum ein- und ausgeht, war seit kurzem neu angestrichen worden. Ungern hatte Justus Mieck, der jetzige Inhaber der Buchhandlung, in diese Neuerung gewilligt. Das alte verwaschene Schild, das alte schmutzige Kleid des Hauses waren ihm im Laufe von vierzig Jahren lieb geworden. Sein Laden kam ihm von außen jetzt so fremd vor. Um seinen Kummer über diese äußere Veränderung der Firma Roth u. Co. zu erhöhen, 6 mußte auch im Innern eine Neuerung vor sich gehen, ein Gehilfenwechsel. Sein langjähriger Mitarbeiter war einem plötzlichen Krankheitsanfall erlegen. Seine Stelle nahm jetzt der Sohn eines Kollegen und früheren Freundes ein, ein junger Mann von hübschem Aeußern und weltmännischen Manieren. Da Justus Mieck sonst mit seinem Gehilfen durchaus zufrieden sein konnte, ertrug er dessen ein wenig vordringliche Höflichkeit, die ja eigentlich nur seinen persönlichen Gefühlen zu nahe trat, dem Publikum gegenüber aber als eine seinem Verkäufer wohlanstehende Eigenschaft von Vorteil war. Noch einen andern Grund hatte Justus Mieck, seine kleinen