Erstes Kapitel
Als zwölfjähriges Mädchen ist die liebliche Fatime mit ihren Eltern aus nubischer Heimat nach Kairo gekommen. Bei reichen Levantinern, deren Umgangssprache Französisch war, sind Vater und Mutter als Dienstboten angestellt worden: Fatime durfte bei ihnen bleiben. Voll Traurigkeit dachte die Familie an Nubien; ernst und dem Willen Allahs ergeben, besorgten Mann und Frau nun Arbeit für fremde Menschen. Sie hatten ein kleines Gut unterhalb Korosko am Nil besessen. Dattelpalme und Dumpalme spendeten dort den bescheidenen Leuten im trauten Anwesen Schatten und Nahrung. Auf weicher Böschung saß Fatimes Vater und fischte im großen Strom, ohne daß die Sonne ihm lästig zu werden brauchte, so weit überwedelten stolze Pflanzen des Nilbereiches die sanften Hänge der arabischen Wüste. Oft gab es allerdings mühsame Arbeit: Beinahe nackt in Afrikas Glut, schöpfte er dann Nil-Naß, daß es in kleiner Rinne zu seinem Bruder gelänge, der es nochmals mit schwerem Schöpfeimer höher emporzog, bis es des Feldes und Gartens Weite erreichte, durchrieseln konnte. Da aber brachte das Wasser Bananen Labung, wurde es Bohnen und Tomaten Nahrung und verschenkte sich als Frische. Vater und Onkel Fatimes halfen einander in angrenzenden Grundstücken. Der Staudamm von Assuan wurde gebaut, nach einigen Jahren noch erhöht: Bis Korosko reichte der künstliche Nilsee, das Gebiet blieb monatelang überschwemmt, der Boden