Einleitung
Ernst Dohm, geboren am 24. Mai 1819 zu Breslau, hat »Philosophie und leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemühn« und zwölfmal von der Kanzel herab die Gläubigen in der Umgegend von Halle durch fromme Predigten erbaut. Daß das nicht eigentlich sein Beruf war, muß er schon frühzeitig bemerkt haben. Im Jahre 1848 trat er als Mitbegründer in die Redaktion des »Kladderadatsch« ein, und diesem Blatte hat er den größten Teil seiner schriftstellerischen Tätigkeit gewidmet. »Dohm hat sich seine geistige und körperliche Frische in seltener Weise bewahrt. Seine Unempfänglichkeit gegen den Witterungswechsel erregt die staunende Bewunderung aller seiner Bekannten. Man sieht ihn im härtesten Winter mit demselben leichten Röckchen fröhlich daherwandeln, wie in den heißesten Tagen des Hochsommers, in der Hand immer dasselbe kleine Stöckchen, das das Jubiläum des ›Kladderadatsch‹ mitgefeiert hat und hoffentlich noch fernere Freudentage mitfeiern wird. Dohm hat ein volles Anrecht auf einen Ehrenplatz unter den besten zeitgenössischen Dichtern. Mag er von dem einen oder andern in diesem oder jenem überflügelt werden, in bezug auf den Geschmack und die formale Vollendung steht keiner über ihm.« Mit diesen Worten schloß ich einen Aufsatz über »Ernst Dohm und der Kladderadatsch«, den ich im Januar 1879 in »Nord und Süd« veröffentlichte. Mein frommer Wunsch, daß dieser prächtige