Lady Myntors letzter Wunsch
1. Kapitel. Ein geheimnisvolles Testament. Wir wohnten in Kolombo, dem Haupthafen des Inselparadieses Ceylon, im Mount Lavinia-Hotel, welches etwa sieben Kilometer südlich von der eigentlichen Stadt auf einem steil aus dem Meere emporragenden Felsen liegt und eines der elegantesten Hotels der Welt ist. Am 14. Oktober war’s, als uns einer der Hotelboys eine Depesche nach den Tennisplätzen brachte. Wir hatten mit zwei englischen Damen in der erfrischenden Seebrise bereits mehrere Spiele erledigt, und trotzdem meinte Miß Colvenor, die Tochter des Gouverneurs von Kolombo, in bedauerndem Tone zu mir, während Harald Harst die Depesche überflog: »Nun wird es wohl für Sie beide wieder Arbeit geben, Mr. Schraut. Schade, es waren so interessante Stunden. Sie verstehen so prächtig zu erzählen, und man ist doch gern mit einem Gentlemandetektiv von Mr. Harald Harsts Berühmtheit zusammen.« Miß Daisy Colvenor sollte recht behalten. »Meine Damen,« erklärte Harst, indem er mir die Depesche reichte, »mein Freund Boßwell aus Bombay ruft mich dorthin. Wir müssen uns verabschieden. Abends um neun Uhr verläßt der Dampfer India den Hafen, den wir benutzen müssen —« Ich hörte nicht weiter hin, was er noch hinzufügte. Das Telegramm war mir wichtiger. Es lautete: Lady Maria Myntor hier am 5. verstorben. Vorgestern Testamentseröffnung. Sehr merkwürdige letztwillige Verfügung. Bitte zu kommen, falls