Chapter

Kußwirkungen

Am Marktplatz, im Eckhaus, das dem jetzigen Rathaus gegenüber liegt, da lebte zur Zeit, als die Ratsmädel mit allerlei Schwänken in der Wünschengasse ihr Wesen trieben, und Apothekers von ihrem Erker, den ein buckliges steinernes Weibchen auf den Schultern trägt, nach den Herrschaften ausblickten, um rechtzeitig knicksen zu können, und das kleine Fräulein Muskulus mit ihrer dicken Perücke und mit dem Veilchenhut über den Platz scheegte und die Fabianen und die Kummerfelden und die Kameraden der Ratsmädchen, Budang, Horny und Schillers Ältester vorüberwanderten, und es überhaupt von all den alten Weimaranern, von denen keine Feder und keine Faser mehr übrig ist, noch wimmelte, da wohnte im Eckhaus ein gelehrter und weiser Herr, Rat Tiburtsius. Er wohnte da mit seiner Gemahlin, einer kleinen statiösen Dame, und seiner Haushälterin. Kinder gab es im Hause nicht, dafür war aber alles blitzblank, vom messingenen Türknauf und 8 dem Namenschildchen an der Flurtür, bis zu dem messingenen Vogelkäfig an dem Fenster über Madame Tiburtsius' Arbeitstischchen, und bis auf den letzten Messingnagelknopf in der Küche, bis auf die messingene Kuppellaterne, mit der Madame Tiburtsius abends von den Whistpartieen abgeholt wurde, die der Reihe nach umgingen bei Apothekers, bei Madame Kirsten, der Mutter der Ratsmädchen, bei Madame Kummerfelden und auch bei Fräulein von Knebel im Schloß, der

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