Kapitel 1
Als endlich die letzten Gäste die noch im vollsten Lichterglanz einer Unzahl elektrischer Beleuchtungskörper erstrahlende erste Etage des prunkvollen Hauses am Kurfürstendamm 304 verlassen hatten, seufzte Frau Wilma Liskow erleichtert auf. Gewiß, diese erste Abendgesellschaft, mit der der stadtbekannte Kommerzienrat die Wintersaison für seinen zahlreichen Umgangskreis heute eröffnet hatte, war wieder glänzend wie immer verlaufen. Aber doch – Frau Wilma war froh, daß sie nun endlich wieder sie selbst sein konnte und nicht mehr ihr trotz der bereits überschrittenen Vierzig noch beinah jugendfrisches Gesicht fortdauernd in liebenswürdig lächelnde Falten zu legen brauchte. Etwas schwerfällig ließ sie sich in eines der bequemen, seideüberzogenen Sesselchen fallen, die in einer lauschigen Ecke ihres Damenzimmers standen. Dieses beschloß eine Flucht von sechs Räumen, die höchst luxuriös ausgestattet und für große Repräsentation berechnet waren. Im Nebenzimmer räumte Asta van Zourleeven, ihr einziges Kind aus erster Ehe, die auf dem Deckel des Bechsteinflügels verstreut umherliegenden Noten in den Ständer ein, wobei sie leise die Melodie eines schwermütigen Liedes vor sich hinsummte. Die Flügeltüren des in seiner feinen abgetönten Beleuchtung so traulichen Damenzimmers standen weit offen, so daß Frau Wilma jede Bewegung der graziösen Gestalt ihrer Tochter beobachten konnte. Wenn bisher