Chapter

Die sieben Hefte der Aufzeichnungen des Filmoperateurs Serafino Gubbio (Erster Teil)

Ich pflege die Leute bei ihren alltäglichsten Geschäften zu beobachten, um an ihnen vielleicht zu entdecken, was mir selbst abgeht bei allem, was ich beginne: die Gewissheit, das eigene Tun zu begreifen. Auf den ersten Blick, ja, da mag es so aussehen, als besässen viele diese Gewissheit. Man meint es nach der Art, wie sie einander ansehen und einander grüssen, wie sie eilfertig hin und her laufen, wie sie ihren Geschäften nachgehen oder ihren Launen. Aber dann bleibst du stehn und siehst ihnen ernsthaft und schweigsam in die Augen, da verdüstern sie sich plötzlich. Ganz verwirrt werden sie und beunruhigt, und dringst du etwas weiter in sie, dann kann es geschehen, dass sie gar beleidigend oder handgreiflich werden. Nein, still davon! Ich bescheide mich, ihr Leutchen, zu wissen, dass auch ihr weder Klarheit noch Sicherheit besitzt. Gibt es doch in allem ein gewisses »Darüber-hinaus«. Und das wollt und könnt ihr nicht sehen. Aber kommt da so ein müssiger Beobachter, wie ich, des Wegs und blitzt ihm dies »Darüber-hinaus« aus den Augen, dann werdet ihr gleich ganz böse und verstört und gereizt. Freilich kenne ich sie auch, jene Maschine des äusseren Lebens, die rastlos und stürmisch uns alle in ihren Strudel reisst. Heute hierhin, morgen dorthin. Ein Wettrennen, immer die Uhr in der Hand, um ja zur Zeit anzukommen. »Nein, mein Bester, ich danke Ihnen, ich kann unmöglich – –«, –

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