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Vorwort

Nicht bloß für den Maler, auch für den Schriftsteller gibt es eine Kunst des Porträts. Sie wird von beiden freilich nicht in gleicher, sondern nur in annähernd verwandter Weise geübt. Der Schriftsteller kann eine Persönlichkeit in ihrer ganzen Entwickelungsgeschichte erzählend schildern, und so steigert sich das Porträt zuletzt zum Lebensbilde, zur Biographie. Der Porträtmaler malt keinen Lebenslauf; er vermag die Erscheinung nur in einem gegebenen Augenblicke festzuhalten. Ist er aber der rechte Künstler, dann wird sich in diesem Augenblicksbilde doch zugleich ein ganzes durcharbeitetes Leben des Dargestellten spiegeln; wir ahnen in dem Gemälde ein Stück Biographie, mir erschauen den »Charakter« eines uns vielleicht persönlich ganz unbekannten Mannes. Kann auch die Feder des Schriftstellers solche Bildnisse zeichnen, die uns nur eine Episode geben, nur ein andeutendes Augenblicksbild, und die doch den ganzen Charakter des Porträtierten erraten lassen, ja denselben in ein neues Licht setzen? Sie kann es. Viele Autoren haben dergleichen schon mit Glück versucht, und ich versuche es auch in den folgenden Studienköpfen. Nach der Art ihrer Ausführung bilden sie verschiedene Gruppen. Einige sind wie mit flüchtiger Kreide oder Kohle nur ganz leicht hingeworfen; eine Anekdote, eine zufällige Begegnung gab den Anlaß. Andre sind in volleren Farben gemalt; die Beobachtungen andauernderen

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