Der Hamburger Eisbrecher
Während früher die Elemente allein die Umgestaltungen auf der Erboberfläche besorgten, greift jetzt der Mensch selbst überall ein und macht sich jene Mächte mehr oder weniger dienstbar – unter denjenigen aber, welchen er noch ziemlich hülflos gegenüber steht, nimmt der Winter eine erste Stelle ein. Wenn die Aequinoctialstürme sein Nahen verkünden, zieht sich der Mensch zurück, ruft den ältesten Freund seiner Culturentwickelung, das Feuer, zu Hülfe und harrt in passivem Widerstande des Frühlings – der Verkehr schrumpft zusammen und alles Thun richtet sich nach den Launen jenes Despoten. Ganz besonders scharf kommt der Eingriff des Winters in den Hafenstädten, namentlich an Flußmündungen zum Ausdruck. Wenn über Nacht die sonst von Fluth und Ebbe hin- und hergeschobenen Schollen zu einer festen Decke zusammengewachsen sind, dann ist es, als schritte ein gespenstiger Polizeidiener des Winters durch die Straßen und riefe in Häuser und Geschäfte ein gebieterisches „Feierabend!“ Sobald das Wasser „zu ist“, tritt aller Verkehr, welcher irgend mit der Schifffahrt zusammenhängt, im Comptoir des ersten Hauses wie im letzten Schnapsladen, in ein langsames Tempo, ja erlischt theilweise ganz – aber er erträgt solche Zwangspausen nur, wenn er durchaus muß, dieser unser nimmer rastender Verkehr, und neuerdings ist ihm erfreulicherweise eine siegreiche Waffe eben gegen die Vereisung der