Kapitel 1
Ein weiß getünchtes Mansardenzimmer, vor dessen niedrigen Fenstern die billigen Gardinen unter dem draußen heftig wehenden Novembersturm leise hin und her schwanken; abgetretene Dielen, in der Nähe des Ofens ein altes schwarzes Ledersofa, an der andern Wand eine schöne alte Rokokokommode mit einem Spiegel darüber; inmitten ein tannener Tisch mit Büchern und Papieren bedeckt und davor ein Mann eifrig arbeitend. Nichts unterbricht die Stille im Zimmer, der Wind draußen läßt sie hervortreten, nichts stört den Arbeitenden. Die weißen Bogen füllen sich rasch; er schiebt sie zur Seite und greift nach neuen. Sein hübsches junges, südlich gebräuntes Gesicht, edel in Form und Ausdruck, glüht, die dunklen tiefen Augen glühen ebenfalls – er ist mit Leib und Seele bei seiner Arbeit. Über die weiße Stirn wirft der grüne Lampenschirm einen leichten Schatten, der bis auf die fein gezeichneten Augenbrauen fällt, aber die Partie, die das Licht hell bescheint, ist voll Frische und Leben. Irgendwo im Nebenzimmer schlägt eine Uhr acht, aber Viktor Alten ist so vertieft in seine Arbeit, daß er nicht darauf achtet. Nun knarrt die Treppe draußen, nur durch wenige schmale Dielen von seinem Zimmer getrennt, so daß man drinnen jeden Laut vernimmt, ein kurzes Klopfen, auf das er nicht einmal antwortet, und der Kommende tritt ein. »Laß dich nicht stören,« sagt er bei dem stummen, grüßenden Nicken, mit dem