Kritik des Herzens
Es wohnen die hohen Gedanken In einem hohen Haus. Ich klopfte, doch immer hieß es: Die Herrschaft fuhr eben aus! Nun klopf ich ganz bescheiden Bei kleineren Leuten an. Ein Stückel Brod, ein Groschen Ernähren auch ihren Mann. Sei ein braver Biedermann, Fange tüchtig an zu loben! Und du wirst von uns sodann Gerne mit empor gehoben. Wie, du ziehst ein schiefes Maul? Willst nicht, daß dich andre adeln? Na, denn sei mir nur nicht faul Und verlege dich auf's Tadeln. Gelt, das ist ein Hochgenuß, Schwebst du so mit Wohlgefallen Als ein selger Kritikus Hocherhaben über Allen. Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt, So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquiliren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor. Ich kam in diese Welt herein, Mich baß zu amüsiren, Ich wollte gern was Rechtes sein Und mußte mich immer geniren. Oft war ich hoffnungsvoll und froh Und später kam es doch nicht so. Nun lauf ich manchen Donnerstag Hienieden schon herummer, Wie ich mich drehn und wenden mag, 's ist immer der alte Kummer. Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust Das rothe Ding in meiner Brust. Der Hausknecht in dem »Weidenbusch« Zu