Rosenfeld
Der neue Messias in Berlin Zu Anfang der sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts sah man in der Uckermark, Priegnitz und auch im benachbarten Mecklenburgischen einen Mann herumstreifen, dessen Kleidung und Wesen nicht viel von einem Bettler verschieden war. Er bat aber nie um eine Gabe, nur um einen Trunk Wasser, höchstens, wenn man, ihm nicht mit der Einladung dazu entgegenkam, um ein Nachtquartier. Ihm war nur daran gelegen, mit denen, die er besuchte, sich in ein Gespräch einzulassen, und es waren meistens Schäferknechte, die er auf dem Felde traf; doch ging er auch in einsam gelegene Häuser, wo Tagelöhner, Weber oder sonst arme Handwerker wohnten. Zunächst trug der Mann einen grünen Jägerrock, dann, als der Rock verschossen und zerrissen war, näherte sich seine Erscheinung immer mehr der eines Bettlers und hatte etwas Unheimliches, ja, man konnte sie erschreckend nennen. Sein Gesicht war blaß und erdfarben, die Augen lagen tief im Kopfe, und der Körper hatte eine schlaffe Haltung. Doch brauchte man keine Furcht wie vor einem gewöhnlichen Abenteurer zu hegen, der abends um eine Herberge bittet und morgens als Dieb verschwunden ist. Man kannte seinen Namen, er hieß Rosenfeld, und sein grüner Jägerrock war ein Überbleibsel aus seinem früheren Jägerdienst beim Markgrafen von Schwedt. Zwar führte er kein Geld in der Tasche, aber am Kinn einen langen Bart, der nicht den Räuber,