Die Feuerprobe
Und der Alte im Sachsenwald schloß die müden Augen unter dem Wodan-Schlapphut, die Eichen rauschten ein wehmütig schauriges Lied. Sie hörten sein letztes Gebet, Gott möge sein Werk schützen, wenn die Götterdämmerung auflodere, der Fenriswolf heule und die Midgardschlange zische. Es möge überstehen die Feuerprobe, überwinden die höllischen Mächte, bis die Walküren in Lüften rufen: Deutschlands Sieg, das ist die Bismarckfeier. Doch die Unerforschlichen beachten nicht der Sterblichen Wünsche, unter denen der Beste weder allweise noch allwissend; sein Gebet erhörten sie nicht, sein Fürstenbund zerbrach, sein Erbkaiser wurde allzeit Minderer des Reichs, sein Deutschland ging in Scherben mit geschändeten Grenzen und grauenvoller Franzosentid, wie kein Fritz Reuter sie je humoristisch verklären wird. Aber in höherm, tieferem Sinne wird es erhört, sein Gebet. Unerhörte Feuerprobe schmolz innere Einheit deutscher Lande und Stämme in festeres Gold zusammen als je zuvor, der harte Demant germanischer Kraft leuchtete unzerbrechlich durch Nebelnacht und Sturm der Not. Schlummert der Alte oder geht er nächtlich um und tauscht Zwiesprach mit dem wilden Heer, das über unsere Gaue dahinfährt, oder mit Wodans leisem Lispeln im Korn? Lehrt ihn die Seherin Saga, aus deren Methorn Wodan Begeisterung und Hellgesicht schöpft, die Zukunft der Deutschen? Ja, Gewitter zerstörten viele Saaten, doch durch