Chapter

Erstes Kapitel

Die sinkende Sonne eines Spätsommertages des Jahres 1869 sendete ihre schrägen Strahlen über die einfache und gleichmäßige, aber üppig frische Landschaft, welche in der Nähe von Düsseldorf den breit und ruhig dahinfließenden Rheinstrom einfaßt. Dieser stolze deutsche Strom, in dessen Wellen die Sage rauscht, der bis in die Tiefen seiner grünen Fluten hinein belebt ist von den sinnigen Mären vergangener Heldenzeiten, der die Lebensader bildet der waffen- und sangesfreudigen Geschichte Deutschlands, – der gleicht hier im flachen Lande nicht mehr jenem wunderbaren, die Seele mit geheimnisvoller Poesie anmutenden Bilde, das er weiter hinauf bietet, wo er sich Bahn bricht durch starre Felsen – an den verfallenen Burgen vorbei, – das Rauschen seiner Wasser vermischend mit den sinnbetörenden Liedern der Loreley und dem mitternächtigen Schmerzensseufzer des grausamen Bischofs Hatto. Dort oben ist er der Jüngling voll Kampfesmut, voll tiefer Liebesglut, wie der goldene Wein, den die Sonne an seinen Ufern reift – hier ist er zum klaren, ruhigen Mann geworden, der in gesättigter Kraft nach überwundenen Lebenskämpfen den Segen einer fruchtbaren Tätigkeit um sich verbreitet. Nicht Felsen und Burgen rahmen ihn hier ein – breite, grüne Wiesen und reiche Fruchtfelder dehnen sich weithin an seinen Ufern aus, hohe Gruppen uralter Riesenbäume ragen in einiger Entfernung daraus hervor, und

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