Erstes Kapitel. Ein Aesthetiker und ein Gläubiger
Ein Aesthetiker und ein Gläubiger Obwohl das schmale, von aufgestauten Büchern, Broschüren und Zeitungen fast überfüllte Gewölbe dem Besucher gerade nur so viel Raum ließ, sich umzudrehen, und obwohl dieser Besucher ein ständiger Kunde war, fand der alte Buchhändler es doch nicht der Mühe wert, sich von dem dreibeinigen Schemel zu erheben, worauf er, an einem tragbaren Pult schreibend, saß. Kaum daß sein seltsamer Kopf, dessen lange weiße Mähne unter dem breiten Rand eines einst schwarz gewesenen Filzhutes hervorquoll, beim Geräusch des Oeffnens und Schließens der Ladenthür einen Augenblick aufgetaucht war und ein fleischloses, runzeliges Fanatikergesicht, worin zwei braune Augen hinter runden Brillengläsern wild und boshaft funkelten, dem Ankömmling entgegengestarrt hatte. Dann hatte sich der Filzhut sofort wieder über ein Blatt Papier gesenkt, das die knorrigen, gelenkigen Finger mit den unsauberen Nägeln in einer Schrift, die eines andern Zeitalters würdig gewesen wäre, mit ungleichen, oft durchstrichenen Zeilen bedeckten. Aus dem schmächtigen, aber riesenhaft langen Körper, der in einem vor Alter grün gewordenen Arbeitsrock steckte, war eine klanglose Stimme hervorgedrungen, die Stimme eines Menschen, der mit einer unheilbaren Kehlkopfentzündung behaftet ist, und hatte mit stark italienischer Betonung als einzige Entschuldigung auf französisch gesagt: »Einen Augenblick,