Am rauschenden Illerbach
Die jungen Buchen grünten wieder am rauschenden Illerbach. Ein sausender Südwind schüttelte die leichten Wipfel hin und her und ließ das helle Grün einmal im Sonnenschein flimmern, dann schnell wieder von dunkeln Schatten überflogen werden; denn der mächtige Wind trieb alle Augenblicke die großen ziehenden Wolken über die Sonne hin. Durch das Wäldchen jagte, einmal vom Winde getrieben, einmal dem Wind entgegen, ein kleines Mädchen mit hochroten Wangen und fliegenden Haaren, die Augen voll Feuer und Lebenslust. Der runde Hut, der auf den Kopf gehörte, hing am Arme des Kindes und wurde in dem jähen Lauf so heftig auf- und niedergeschwungen, daß er jeden Augenblick von den Bändern reißen und ins Weite fliegen konnte. Jetzt sauste der Wind etwas ferner, unter den Bäumen wurde es stiller. Die Kleine stellte ihr Jagen ein und fing an zu singen: »Schnee auf der Wiese Und Schnee auf der Diel, Schnee oben und Schnee unten. Nun wird's mir zuviel. Hoiheia, juheia. Nun wird's mir zuviel. Oh, Sonne am Himmel, Oh, Kuckuck im Wald, Am Bach ihr Ranunkeln, Oh, kommt und kommt bald! Hoiheia, juheia, Oh, kommt und kommt bald! Singt der Fink seine Lieder, Schwirrt die Schwalbe ums Dach, Schwirr ich mit und singe wieder. Freu mich hunderttausendfach. Hoiheia, juheia, Freu mich hunderttausendfach.« Das Kind sang mit so kräftiger Stimme, daß es weithin durch den Wald schallte und alle Vögel in