An A. und M.L. Holz
Als ich Ihnen die folgenden Geschichten in der Handschrift gab, sagten Sie mir: »Diese Sammlung ist wie ein Strauß blühender Rosen, die Sie gepflückt, und nun den Komödianten überreichen. Da wir ja Gott sei Dank auch zu den Komödianten gehören, so sagen wir Ihnen herzlichen Dank.« Es hat wohl kaum jemals eine Verfassung der menschlichen Gesellschaft gegeben, welche den Künstlern so feindselig gestimmt war, wie es die heutige bürgerliche Verfassung ist. Das Bürgertum hat uns viel Leid zugefügt; das schlimmste, das es uns angetan hat, war aber, daß es die Mauern niedergerissen hat, die uns von ihm trennten. Nach der Legende war Homer ein Bettler, ja, er war ein blinder Bettler; denn ein Mann, welcher die ganze Welt im Bild in seinem Innern trug, durfte wohl seine Augen geschlossen halten für die gleichgültige und törichte äußere Welt, die ihn ja nur gestört hätte. Ein Dichter muß ja arm sein, wenn er nicht durch Zufall in Reichtum geboren ist: denn wer immer nur daran denkt, den Menschen zu schenken, der kann freilich nicht bürgerlich für sich selber sorgen, für sein Durchkommen und seine Zukunft. Frühere Zeiten haben diesen Zustand geehrt, indem sie jede Art von Künstlern so leben ließen, wie sie ihrer Natur nach leben müssen: diejenigen, bei denen das Handwerkliche bedeutend ist, wie Maler und Bildhauer, als Handwerker, und diejenigen, bei denen das Handwerkliche weiter