Kohlenpott
: das ist ein Begriff geworden. Dieses harte Wort aus der Kumpelsprache umreißt scharf und klar ein Stück Land, das unzähligen Menschen Schicksal bedeutet: die industrielle Zone im Westen Deutschlands. Kohlenpott: das ist ein Land, das eine Stadt ist, das sind vier Millionen Menschen, die hier arbeiten, in der Grube, in den Walzwerken, an den Hochöfen, in den Gießereien. Dreihunderttausend, die täglich unten im Pütt auf ihren Bäuchen liegen und den nackten Leib gegen die fauchenden Abbauhämmer stemmen, immer im schärfsten Hetztempo, weil die Höhe des Lohnes von der Menge der gewonnenen Kohlen abhängt. Eine Kumpelarmee, die täglich den Krieg mit der grollenden Natur des Berges führt, die sich täglich gegen die vom Bergherren über sie gesetzten Aufseher verteidigen muß, die für wenig Geld täglich ihre gesunden Knochen bei einem Steinfall aus dem Hangenden oder auch gleich das Leben riskiert, wenn ein giftiger Brand durch die unterirdischen Strecken loht, oder wenn ein Seil am Förderkorb reißt, oder wenn ein Stollen einkracht, oder wenn eine Sohle jäh versäuft. Zweihunderttausend Metallarbeiter arbeiten im Kohlenpott, Leute, die vor den Hochöfen stehen, in denen die Eisensuppe kocht, Schmelzer an den Bessemerbirnen und Martinöfen, in denen sich das Roheisen in Stahl verwandelt, Drahtzieher in den Walzwerken, die mit glühenden Eisendrähten jonglieren, als wären es harmlose