Chapter

Kapitel 1

»Eintausend Mark Belohnung! Am Freitag, dem 29. September 1899, gegen Abend, hat sich ein junger Mensch von 18¼ Jahren aus der elterlichen Wohnung hierselbst entfernt und ist bisher noch nicht zurückgekehrt. Er ist von langer, schlanker Statur, hat braune Augen und dunkelblondes, kurzgeschnittenes, leicht gelocktes Haar. Auf der Straße pflegt er sehr rasch zu gehen und hat die Gewohnheit, dabei den Kopf etwas im Nacken zu tragen. Sprache Hochdeutsch, mit etwas Anklang an die Pfälzer Mundart, auch geläufig Französisch und Englisch. Bekleidet war er bei seinem Weggang mit modischem, hellgrauem Anzug, einem echten Panama- Strohhut mit blauem Band, gleichfarbiger Krawatte zum Selbstbinden und weißen Strandschuhen. Die sehr feine Leibwäsche ist mit W. W. gezeichnet. Da er sich nur im Besitz ganz geringer Geldmittel befindet, so wird vermutet, daß er sich noch nicht weit von der Stadt oder ihrer Umgebung entfernt haben kann. Wer über den Verbleib des Vermißten sachdienliche Angaben zu machen vermag, erhält sofort obige Belohnung im Privatkontor des Hauses Kaiser-Wilhelm-Straße 81, parterre rechts, ausgezahlt.« Der Zettelankleber hatte den Anschlag an der Litfaßsäule befestigt und trottete mit Pinsel, Kleistertopf und einem Stoß weiterer Plakate um die Ecke. Sein Schritt hallte in dem sonnenwarmen Sonntagnachmittagschweigen durch die menschenleeren Gassen der Fabrikvorstadt. Blauer

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