Knud Tandberg
Knud Tandberg lag auf dem Sofa im Musikzimmer. Er streckte seine Glieder, so daß es krachte, ballte die Hände und machte gymnastische Bewegungen mit den Armen, wobei er vor sich hinsummte: »Tralala, fertig für heute; tralala, hinaus, um sie zu sehen!« Bei den letzten Worten, die er mehrmals wiederholte, dämpfte er seine Stimme zu einem Flüstern, zwinkerte mit den Augen und bewegte die Lippen so, wie man mit einem Taubstummen zu sprechen pflegt. Das Zimmer war geräumig, aber reich möbliert, es hatte ein breites Fenster, das nach der Christian-August-Straße hinausging. Bücher und Musikalien lagen rings umher auf den Möbeln. Ein Notenständer von messingbeschlagenem Ebenholz mit einem aufgeschlagenen Notenheft stand in der Nähe des Fensters. Auf der Chaiselongue lag eine Violine, und auf dem Fußboden, gegen einen Stuhl gelehnt, standen mehrere Bogen. An den Wänden hingen Brustbilder von Grieg und Kjerulf und einigen deutschen Komponisten. Eine mächtige Porträtbüste in Elfenbeinmasse von Richard Wagner auf einer schwarzen Säule füllte die Ecke hinter dem Flügel aus. Der Schreibtisch war mit einem bunten Durcheinander von wunderlichen Kleinigkeiten bedeckt. Im ersten Augenblick konnte man sich nicht so recht klarmachen, was es eigentlich alles war, sah man aber genauer hin, so unterschied man Damenfächer, Pfauenfedern, japanische Pappsachen, kleine, geschliffene Flakons mit