Erstes Kapitel
Die bleigrauen, sturmgepeitschten Wogen jagten sich im starren, eisigen Nebel, schwarze, spitzige Riffe tauchten da und dort wie Seeungeheuer aus dem tosenden, schwankenden, ins Endlose zerfließenden Grau, um rasch wieder in schäumendem Gischt zu verschwinden, nur ein schwarzes, bald vor dem Anprall des Sturmes sich beugendes, bald wieder gerade sich aufrichtendes Gerüst hielt sich über den erregten Wassern. Dieses Gerüst war der Mast der ›Columbia‹, welche vor zehn Stunden an diesem Riff der Neufoundlandsbank sich zu Tode gestampft, mit seinen ächzenden, wie um Hilfe flehende Arme sich bewegenden Rahen, und die zwei dunklen Gestalten, die sich an dem Eisengeländer des Mars anklammerten, waren zwei junge Männer, der erbarmungswerte Rest des dritten und letzten Rettungsbootes, welches unter Führung des Kapitäns, überfüllt mit Menschen, kenterte, nachdem das erste und zweite, ebenso überfüllt, in Nacht und Nebel verschwunden war, wohl um ein gleiches Schicksal zu erleiden. Eine Woge nahm diese beiden halb erstarrten Männer auf ihren Rücken und warf sie auf das tafelförmige Gerüst aus Brettern und Bohlen, welches, auf die Salingen der Untermasten gelegt, den Mars bildet. Sie erkannten sich nicht in der dicken Finsternis, der tosende Lärm der Wasser und des Sturmes erstickte jedes Wort, jeden Schrei, sie fühlten bloß ihre sich reibenden, stoßenden Körper, krochen, beglückt von