Chapter

I.

Zu Anfang des Monats November im Jahre des Heils 1851 Abends gegen acht Uhr sah man einen jungen, elegant gekleideten Mann durch eine der engsten und schmutzigsten Straßen Berlins gehen. Seinen kurzen Talmamantel fest um die Schultern gezogen und den Hut tief in die Stirn gedrückt, verfolgte er eine Dame, die ihm in kurzer Entfernung voranging. Der Abend war nebelig und kalt; aber den Mann im Mantel plagte eine unerträgliche Hitze, sein Herz klopfte, und im Kopfe fühlte er ein leichten Sausen. Dieser aufgeregte Zustand, den er durch einen ruhigen, nachlässigen Gang zu verbergen suchte, ward dadurch erzeugt, daß er in der vor ihm hergehenden Frau eine Ähnlichkeit mit der schönsten Dame von Berlin entdeckte, einem züchtigen, herrlichen jungen Mädchen, das er bis zum Sterben, aber hoffnungslos liebte. Er war jung, er kannte Berlin, und deshalb wußte er auch den ganzen Umfang der Deutungen, denen sich ein junges und schönes Mädchen aussetzte, wenn man es um diese Stunde, in diesem Stadttheile allein und heimlich auf dem schlechten Pflaster erblickte. Der junge Mann in bürgerlicher Kleidung war ein Offizier der königlichen Garde, und wenn man dies bedenkt, so kann seine Liebe romanhaft erscheinen; der Leser kann sich aber versichert halten, daß er eben so wahr als leidenschaftlich liebte, und daß der Gegenstand seiner Neigung vollkommen würdig war. Er liebte in der reizenden

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