Betrachtungen am See
Der Mond hängt im Raum der Nacht, mit rundem Rücken über dem See, und der Wind wirft die Wellen nach Osten. Von meinem Fenster aus könnte ich kaum ihren unsteten Drang erkennen, wenn dieses gleißende Licht nicht wäre, das der Mond über das Wasser schüttet. Er schüttet es gegen mich, und ich weiß wohl, daß es meine, nicht seine Lichtbahn ist, die da flimmert: wenn ich am Ufer entlang ginge, sie würde mir treulich verbunden bleiben. Weil es die Lichtbahn meiner Augen ist, trotzdem er sie sendet, ist mir ihr Wesen geöffnet. In der Tiefe bewirkt der Mondschein nur ein Flimmern und Gleißen; aber vorn, wo die Weiden über dem Schilf stehen, treibt das Gewässer sein dreistes Spiel mit dem Licht. Verschnörkelte Figuren leuchten rötlich heraus aus dem Dunkel, umgreifen sich, stoßen mit Flammenzungen gegen einander, fallen zurück und vergehen; aber sofort sind andere da, das selbe Spiel rastlos zu treiben, libellenrasch und rotglühend vor Eifer. Ob ich weiß, daß es nur gespiegelter Schein auf dem drängenden Wasser ist, was da sein rastloses Spiel treibt: ich muß Wesenheit sehen, Wesenheit, die nur schneller als sonst sein wird, ist und vergeht. Und da ich bewußt bin, denke ich so: Immer nur da, wo die Elemente einander berühren, ist Leben; auch dieser Schein einer Lebendigkeit ist das Ergebnis ihrer Berührung. Wäre kein Wind, ruhte das Wasser schwer und glatt in der Nacht, und die