Auf der Post
Nachdem wir die junge und hübsche Frau unseres alten Postmeisters Sladkoperzew beerdigt hatten, begaben wir uns in das Postgebäude, um dort nach der Sitte unserer Altvordern das Leichenmahl zu begehen. Als die traditionellen Pfannkuchen serviert waren, begann der alte Witwer bitter zu weinen und sagte: »Die Pfannkuchen sind ebenso rotbackig, wie meine Selige es war. Ganz so schön, wie sie . . .« »Ja«, stimmten die Gäste bei, »sie war wirklich eine Schönheit ersten Ranges, eine Frau . . .« »Ja . . . Sie wurde von allen bewundert . . . Aber, meine Herren, nicht wegen ihrer Schönheit und ihres sanften Charakters liebte ich sie. Diese beiden Eigenschaften sind mehr oder weniger dem ganzen weiblichen Geschlecht eigentümlich, und man begegnet ihnen nicht so selten unter dem Monde. Ich liebte sie wegen einer anderen Seeleneigenschaft. Und zwar: ich liebte die Entschlafene, Gott habe sie selig, dafür, daß sie, trotz der Heiterkeit und Lebhaftigkeit ihres Temperaments, ihrem Manne treu war. Sie war mir treu, obgleich sie erst zwanzig Jahre zählte, während ich bald schon in die Sechziger komme! Sie war mir altem Manne treu!« Der Djakon, der mit uns speiste, gab durch ein vielsagendes Räuspern und Husten seinem Zweifel Ausdruck. »Sie glauben es also nicht?« wandte sich der Witwer an ihn. »Nein, nicht daß ich es nicht glaube . . .« stammelte der Djakon verlegen. »Aber . . . Ich meinte nur