Chapter

Kindheit in Seehausen

»Halt! Nicht doch! Bande, verfluchte! Laßt nach!« Eine helle Knabenstimme schrie die Worte und übertönte damit zeitweise den Lärm, der um diese Juli-Mittagsstunde in dem alten, dumpfen Klassenzimmer herrschte. »Niederträchtige Bande, ihr sollt nachlassen!« schrie Klaus Kröning noch einmal aus der Mitte der Schulbank her. Aber Karl Kundtke und Fritz Lautensach, die beiden Jungen, die die Eckplätze der langen Bank innehatten, dachten gar nicht daran, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Fest stemmten sie sich mit den Füßen gegen die Wände des Klassenzimmers und preßten alles, was zwischen ihnen auf der langen Bank saß, immer dichter und enger zusammen. »Saft machen« nannte man diese schöne Übung seit alters her in der Dorfschule von Seehausen, und Karl Kundtke und Fritz Lautensach, erprobte Meister in dieser Kunst, zeigten durchaus keine Neigung, sich bei ihrem Vergnügen durch irgendwelche Hilferufe der in der Bankmitte Zusammengepreßten stören zu lassen. Unentwegt drückten sie weiter. Irgendwie mußte die in der Bank eingepreßte lebendige Masse sich Luft machen, und jetzt entlud sie sich nach oben. Mit Gewalt war es Klaus Kröning gelungen, sich über die Schultern seiner Nebenmänner in die Höhe zu arbeiten. Mit einem letzten gewaltigen Ruck riß er sich ganz empor und sprang auf den Banktisch, während der so schön begonnene »Saft« unter ihm zusammenbrach. »Ihr Schwefelbande!« Er

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