Chapter

Rotbach im Mai

Rotbach im Mai. Aus Kerlchens Tagebuch. »Mist ist die Seele des Landwirts«. Soweit bin ich gekommen, seit ich verheiratet bin. Mein Fritz hat mir dieses neue, liebe Buch geschenkt, nachdem er über mein altes Tagebuch halb närrisch geworden ist, gelacht und geweint hat er beim Lesen. Und dann brachte er mir dieses wundervoll eingebundene Exemplar mit, auf dem mit Goldlettern: »Felicitas von Rumohr-Rotbach« steht, ich sollte mich auf ein passendes Motto besinnen und dann fortfahren, so »wunderlieb« zu schreiben, wie Fritz sagte. Das Motto zu finden, wäre das Schwerste, dachte ich zunächst, aber als ich erst ein paar Wochen verheiratet und tagtäglich mit meinem Fritz und unserm alten Inspektor zusammen war, da hatte ich mein Motto mit einemmal. Vorher riet mir Fritz, ein Preisausschreiben zu machen, wie es viele Zeitschriften tun, und stiftete mir dazu eine schöne, fette Gans. Bümi fand die Gans anzüglich, schickte aber doch ein Motto, ein recht dummes: »Alles läßt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von guten Tagen!« Goethe hat's gesagt, und der ist nie »Stütze, Anstandsdame, Erzieher oder Sektbrecher« gewesen. Dann schickte Munke einen rechten Gemeinplatz: »Aller Anfang ist schwer,« und Luttewete riet zu unserm Schlieden-Wahlspruch: »Nunquam retrorsum«. Onkel Rumohr schlug vor: »Geld ist Mist, und Mist ist Dung, und Geld ist der Dung ehelichen Glückes.« Aber da rümpfte ich meine

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