Chapter

Bei Tante Laura in Molln

Felicitas Rose Kerlchen als Sorgen- und Sektbrecher Provinzmädel – Band VI. Kerlchen kniete vor einem Riesenkoffer und packte. Es hatte das schon so oft in seinem jungen Leben getan, daß es mit ordentlichem Wohlbehagen auf sein Werk blickte. So einen Koffer voll! Das sollte ihm mal einer nachmachen! Neben Kerlchen auf einem hochbeinigen Lehnsessel saß Fräulein von Hartwig und seufzte. Schwer, tief und anhaltend seufzte sie. Um Kerlchens Mund spielte ein leises, humoristisches Lächeln. »Nun, mien Deern, ich find' es nicht grad' hübsch, daß du deine alte Tante auslachst.« »O Tanting, ich lach' ja gar nicht, ich lächle ja bloß.« »So, das ist noch viel schlimmer, verstehst du wohl? So'n Lächeln von so'n dummen Gör dat deit weh, dat giekst orrnlich inwenni.« Kerlchen legte sofort sein Schelmengesicht in ernste, würdige Falten. »Ne, det lat man, dat steiht di nu gor nich,« rief Fräulein von Hartwig abwehrend und dann seufzte sie wieder: »Dese dumme Reif'!« »Ja,« sagte Kerlchen. »Na, wenn du weiter nix weißt.« Kerlchen zuckte die Achseln. »Dese dumme Breif.« »Ja!« Wieder ein Seufzer, diesmal ganz tief. Stille. – – – – – – »Ne, weißt du Deern, du bist mi hüt to langwielig, ik möt jo woll rein to de Sorgenrätin gehn.« Mit einem Ruck sprang Kerlchen auf und stellte sich so gerade und energisch vor Tante Laura hin, als »sühst mi woll«. Fräulein Hartwig erschrak ordentlich ein bißchen vor

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