Aus Kerlchens Tagebuch (Teil 1)
Hilskehmen, Januar 18 . . Aus Kerlchens Tagebuch. Als neulich der Wagen in der Kirchallee vor Villa Käfermann hielt, da stockte mir doch ein klein wenig der Herzschlag. Man ist doch trotz aller Tapferkeit ein recht hasenherziges Frauenzimmer. Ich sagte dasselbe schon zu Onkel Liskow beim Abschied, aber der meinte: »Aus ›Hasen‹ mache ich mir nichts, aber ein ›herziges Frauenzimmer‹ bist du, das stimmt!« Er muß ja immer seinen Scherz machen. Ach, und ich meine, hier muß einem aller Spaß vergehen in diesem kalten, öden Hause, wenn man auch wirklich noch ein fröhliches Herz hätte, das ich ja nicht mehr hab' – – es liegt bei meinem Väterchen tief, tief drunten in der Erde. Die ›Villa‹ ist schon von außen fürchterlich, krebsrot, mit bunten Blumen bemalt und über der Einfahrt prangt ein mächtiger goldener Käfer, es sieht zu lächerlich aus. Auch im Innern des Hauses spielt der Käfer eine große Rolle, überall ist er angebracht, an der Treppe ist eine ganze Käfergalerie, als sei es eine Auszeichnung, den Namen dieses Tierchens zu tragen. Die Zimmer sind sämtlich ganz und gar überladen eingerichtet, nur das von Herrn Käfermann ist einfach, und zwar übermäßig einfach, es sieht aus wie ein Wartezimmer vierter Klasse, nur daß ein Bett darin steht, das hinter einem Wandschirm von Segeltuch versteckt ist. Es soll eine Marotte von Herrn Käfermann sein, so einfach zu wohnen, die Möbel hat er