Das Kriegsgericht
Dem Oberleutnant Fürsten Mahamat Dadiani gewidmet. Wie die »Schwurbrüder«, so bringen auch die Novellen wahre Begebenheiten. Die drei ersten Erzählungen sind Bilder aus dem Leben der kaukasischen Bergvölker und die beiden letzten enthalten Sagen und Gesänge aus grauer Vorzeit, die aber noch heute des Abends beim Feuer vorgetragen werden. Der Verfasser. Groß und stark, in der malerischen Tracht ihrer Heimat, mit selbstbewußtem treuherzigen Gesichtsausdruck, wandelten Raschid und Selim durch die Straßen der Stadt. Von den Bergen waren sie gekommen. Ein Felsental, ein Adlernest auf einem Bergesvorsprung, das war ihre Heimat; dort lebten sie nach Väter Sitte. Schulen gab es keine in jener Wildnis; dreimal des Tages bestieg der Mullah das Minaret und rief die Gläubigen zum Gebet. Vieh- und Pferdezucht, auch etwas Ackerbau war die Hauptbeschäftigung der Einwohner. Aber auch anderes kam vor, doch davon wurde nicht gesprochen: man war sehr verschwiegen und vorsichtig geworden, seitdem man erkannt, wie wenig Verständnis die zaristischen Behörden für »ritterliche Heldentaten« hatten, die von altersher üblich gewesen waren. Man hielt zusammen, und wenn Allah nächtlicherweise einen »Segen« sandte, so hatte das ganze Dorf Teil daran. Bald waren es Pferde oder Vieh eines feindlichen Stammes, zuweilen auch Waren. Einmal war sogar eine ganze Kamelkarawane mit Teppichen schwer beladen ins Dorf