Erstes Kapitel
1. Im Empfangsaal im Palast zu White-Hall harrte der Lord Kammerherr auf das Lever Heinrichs VIII., der sich mit dem Lord Großkanzler in seinem Schlafzimmer befand. Bald gesellten sich der Herzog von Norfolk und Sir Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury, zu dem Harrenden, in der Absicht, dem König ebenfalls ihre Ehrfurcht zu bezeigen. Der Herzog fragte den Erzbischof nach Neuigkeiten aus Rom dieser wollte dagegen von dem Generallieutenant hören, wie die Sachen in Schottland standen, denn der König von England stand mit seiner schottischen Majestät nicht besser als der Erzengel Michael mit dem höllischen Satan. Erst am vorigen Tage war Heinrich VIII. aus der Grafschaft York zurückgekehrt, wo er sechs Tage lang vergebens seinen unbesonnenen Neffen erwartet hatte, der ihm nach Verlauf dieser Zeit endlich eine kahle Entschuldigung geschickt hatte, so daß der König ganz wüthend nach London zurückgekehrt war. Andererseits lauteten die Nachrichten aus Rom nicht besser; der König und das Reich, der Adel und das Volk waren noch immer mit dem Bannfluch belegt; dagegen hatte der König eine Versammlung von neunzehn Prälaten und fünf und zwanzig Doktoren berufen, welche die Ernennung des Papstes verworfen, ihm keine andere als eine rein geistliche Gewalt zugestanden, so wie keinen andern Titel, als den eines Bischofs von Rom, und Heinrich VIII. König von England, zum Oberhaupt der