Chapter

Einleitung

Eine Landstraße kenne ich, oben im deutschen Norden, von Birken und Vogelbeeren bestanden, die sich wie ein Wanderlied über die Heide schwingt. Stundenweit geht sie an keinem Hause vorbei. Es ist, als ob man sie vor Jahrzehnten einmal baute, mit Bäumen bepflanzte und dann vergaß. Immer, wenn ich »Einsamkeit« denke, fällt mir diese Landstraße ein . . . Es war in einer jener sanften Nachmittagsstunden, in denen der Tag seine erste leise Müdigkeit spürt. Die Sonne ist da, aber ihr Schein ist matt und der Himmel vom Gespinst der Wolken zart verschleiert. Nur, daß sein Blau ein wenig blasser ist. Denn jede Stunde des Tages hat ihr Gesicht, ihren eigenen Klang, ihre besondere Melodie, und von Minute zu Minute wandelt sich der Tag. Die Straße schien bis an den Horizont zu gehen. Ihr Ende, oder war es ihr Ende immer noch nicht, verschwand in einem leichten, silbergrauen Dunst. Nur die Birken standen festlich heiter mit hängenden, leise schwankenden Zweigen, als hätten sie sich selbst mit Kränzen geschmückt und wollten sich nun die Hände reichen. Für ein paar Sekunden lebt der Wind in ihnen auf. Aber es ist noch nicht seine Stunde. Ein leichtes Atemholen nur, dann geht er hinter den Ginsterbüschen der alten Sandkuhle wieder schlafen. Erst wenn der Abend kommt, wird er sich wieder erheben. Der Abend ist seine Stunde. Da streicht ein Vogel über die Straße, bäumt ein paar Birken weiter

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