Chapter

Karl Sand

Es war am 22. März 1819 gegen neun Uhr des Morgens, als ein junger Mann von ungefähr 23 bis 24 Jahren in der Tracht der deutschen Studenten, bestehend aus einem kurzen Rock mit seidenen Schnüren, aus anliegenden Beinkleidern und kurzen Stiefeln, auf einer kleinen Anhöhe stehen blieb, ¾ des Wegs von Kaiserthal nach Mannheim, von deren Spitze man letztere Stadt erblickt, still und anmuthig sich erhebend in der Mitte von Gärten, welche ehemals Wälle waren und dieselben heutiges Tages wie ein Gürtel von Laub und Blumen umgeben und zusammendrängen. Dort angelangt nahm er seine Mütze ab, über deren Blende sich drei in Silber gestickte Eichenblätter ineinander schlangen, und entblößten Hauptes blieb er so eine Zeitlang, um die frische Luft zu genießen, welche ihm aus dem Neckarthale entgegenwehte. Beim ersten Anblick machten seine regelmäßigen Züge einen eigenthümlichen Eindruck, aber bei der Blässe seines von den Blattern stark gefurchten Gesichts, bei, der unendlichen Sanftmuth seines Auges und bei dem netten Ansehn seines langen, wallenden schwarzen Haares, mit schönem Scheitel auf breiter hoher Stirn; fühlte man bald für ihn eines jener düsteren unerklärlichen Gefühle, dem man nachgibt, ohne selbst daran zu denken, ihm zu widerstehen. Obgleich es noch zeitig war, schien er, doch schon einen ziemlich langen Weg zurückgelegt zu haben, denn seine Stiefel waren mit Staub bedeckt; er

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