Kapitän Merling und seine Familie
„Ich habe nie gewußt, daß auch Tiere seekrank werden“, meinte Frau Merling und schaute mitleidig in den Käfig des Zwergantilopen-Pärchens hinein, in dem die beiden zierlichen Tiere matt auf ihrem Strohlager ruhten. Kapitän Merling lächelte gutmütig. „Dir als dem Weibe eines Seemannes hätte diese Tatsache eigentlich längst bekannt sein müssen“, sagte er, indem er den Arm um sie legte und sie liebevoll stützte, da die „Wilhelminje“ in der unruhigen See hin und wieder recht gehörig schaukelte, so daß seine Gattin einmal schon ziemlich unsanft in dem engen Gange zwischen all den großen Tierverschlägen gegen eine Holzwand geschleudert worden war. „Säugetiere leiden freilich am allermeisten unter den Folgeerscheinungen der heftigen Schiffsbewegungen“, fuhr er dann fort. „So besonders Hunde und Wiederkäuer. Bei Pferde- und Rindviehtransporten gehen stets bei ungünstigem Wetter sogar eine Anzahl Stücke der lebenden Ladung ein. Und hier, liebe Hedwig“, – er hatte sie inzwischen einige Schritte weitergeführt – „siehst Du einen unserer wertvollsten Patienten, der infolge der Seekrankheit bisher jede Nahrungsaufnahme verweigert hat.“ Er war vor einem drei Meter hohen, ebenso breiten und doppelt so tiefen Holzkasten stehen geblieben, dessen Vorderwand, aus starken Eisenstäben hergestellt, einen Blick in das Innere gestattete. Dort lag im Hintergrunde ein prachtvoller Löwe, der jetzt