1. Kapitel
Am Hafenkai in Hongkong schlenderte ein jüngerer, ganz in tadelloses Weiß gekleideter Europäer entlang, dessen ganzem Verhalten man es anmerkte, daß ihn nicht gerade eine dienstliche oder berufliche Verrichtung hergeführt hatte. Ein gewisses Etwas in der Erscheinung des sonngebräunten, vielleicht zwanzigjährigen Mannes verriet für ein kundiges Auge sofort den Offizier in Zivil. Die gerade, straffe Haltung, die energischen Bewegungen und der nicht minder energische Gesichtsausdruck deuteten ebenso darauf hin wie der Schnitt und Sitz des weißen Leinenanzugs und die Leinenmütze mit weit vorspringendem Schirm, an deren Vorderseite man noch die Druckstellen wahrnehmen konnte, wo noch vor kurzem die Abzeichen einer militärischen Uniform gesessen hatten. In der Tat war Gerhard Reuter deutscher Marineoffizier und weilte zur Zeit auf Erholungsurlaub nach einem leichten Malariaanfall hier in der englischen Hafenstadt, die er bisher nur wenig kannte und die doch so viel Sehenswertes bot. Hongkong, gegenüber dem Mündungsdelta des Sikiang und ebenso gegenüber dem portugiesischen, zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunkenen Hafen von Makao auf einer Insel gelegen, ist ein sprechender Beweis für die Großzügigkeit englischer Kolonialpolitik. Man betrachte nur einmal eine Weltkarte, und man wird bemerken, daß dieses Inselvolk es verstanden hat, sich überall da festzusetzen, wo der Besitz