Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Kaktus Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte Seitdem die Dampfmaschinen erfunden worden sind und dann das übrige Zeug, das alles schleunig macht, ist in die Zeit ein Entwicklungstempo gekommen, bei dem einem der Weltkapellmeister von Herzen leid tun kann. Er taktiert gewiß schon längst mit dem linken Arm, weil ihm der rechte lahm ist. Es geschehen jetzt auf allen Gebieten, vielleicht die Liebe ausgenommen, in der sich seit Adam und Eva immer alles gleich geblieben ist, in einem Jahrzehnt Umwälzungen, für die frühere Zeiten gut ein paar Jahrhunderte brauchten. Die Leute erfinden mit einer Geschwindigkeit immer wieder neues, daß gar nichts mehr alt werden kann. Gestern saß einer noch stolz auf seinem neuen Zweirad mit dem Bewußtsein, alle Errungenschaften der Technik zwischen den Beinen und in der Hand zu haben, heute überradelt ihn schon eine neue »Marke«, gegen die sein Flitzrad ein rückständiges Möbel ist, und morgen hat er die Empfindung, in einer Postkutsche zu fahren, wenn er die allerneuesten Marken an sich vorübersausen sieht. Das ist die moderne Variante des guten, alten Liedes: »Gestern noch auf stolzen Rossen usw.« Die Fabrikanten wissen es wohl zu singen und oft recht wehmütig. Am eiligsten aber hat's die Kunst. Auch die Musen haben heutzutage Hosen an und fahren Rad. Die Tunika und der langsame Schreitetanz um feststehende Altäre sind aus der Mode. Die Damen