Vorbemerkung
Die germanische Heldensage hat schon acht und mehr Jahrhunderte vor Karl dem Großen begonnen. Nicht nur halbgöttliche, der Göttersage angehörige, auch geschichtliche Helden und Könige hat sie gefeiert seit grauester Vorzeit. Als Tacitus um das Jahr nach Christi Geburt sein Büchlein über Land und Volk der Germanen schrieb, da sang und sagte man noch in den Wäldern der Cherusker von Armin, den der Römer selbst: »zweifellos Germaniens Befreier« nennt: wohl waren es damals schon achtzig Jahre, seit diesen Befreier von dem Römerjoch der Neid der eignen Gesippen ermordet hatte: doch unvergessen lebte sein Bild, sein Name in dem Herzen seines Volkes. Gewiß war aber Armin nicht der erste, den das Heldenlied besang. – Und ebenso gewiß ward auch in den folgenden Jahrhunderten gar mancher tapfre Führer, gar mancher weise König gepriesen in den Hallen der Fürsten, bei dem Opferfeuer im heiligen Hain. Der Freiheitskampf der Batăver um das Jahr 70, der große Markomannenkrieg um 170, die Züge der Goten zu Land und zu Meer von der Donau bis in das Herz von Asien seit Anfang des dritten Jahrhunderts, die von der gleichen Zeit an viele Menschenalter hindurch wiederholten Versuche der Alamannen am Oberrhein, der Burgunden am Mittelrhein, der Franken am Niederrhein, die römische Grenzwehr, den limes, zu durchbrechen, die Fahrten und Ritte der Friesen und der Sachsen zu Wasser und zu Land in das