Erstes Buch: Der baierische Erbfolgekrieg
In den Galagemächern der kaiserlichen Hofburg zu Wien bewegte sich eine glänzende, von Brillanten, Ordensbändern und Sternen funkelnde Gesellschaft auf und ab. Nicht allein der ganze hohe Adel Wiens, sondern die Aristokratie der ganzen österreichischen Monarchie war an diesem Abend in der Hofburg erschienen, um der Kaiserin Maria Theresia und dem erst kürzlich von seiner Reise heimgekehrten Kaiser Joseph ihre Huldigung darzubringen. – Es war der 1. Januar des Jahres 1778, und da der Neujahrstag der einzige Galatag war, den Kaiser Josephs neue Verordnungen dem Kaiserhofe gelassen hatten, so beeilte sich Jedermann, diesen Tag zu benutzen und sich im reichsten Costüm und allem Schmuck der Brillanten und Orden darzustellen. Die Kaiserin Maria Theresia war wie immer in ihren dunklen Trauerkleidern geblieben, und die große Einfachheit ihres dunkelgrauen langschleppigen Gewandes, das durch keine Verzierung, keinen Schmuck gehoben ward, contrastirte seltsam zu den schimmernden Gewändern, den Blumenguirlanden, den funkelnden Brillanten der übrigen Damen. Aber dennoch, trotz ihrer Einfachheit und ihrer unscheinbaren Gewänder, erkannte man in dieser hohen, stolzen Gestalt, welche da umgeben von den kaiserlichen Prinzessinnen die Säle durchschritt, die Kaiserin, die gebietende Frau. Niemand außer ihr trug das Haupt so erhoben und aufrecht, keine andere Frau hatte einen so flammenden,