Viertes Buch. Die Reformen und das Volk
Die ganze Nacht hindurch hatte der Kaiser mit seinem vertrauten Secretair Günther gearbeitet. Der Morgen war herein gebrochen, es war heller Tag geworden, und noch immer schien der Kaiser nicht geneigt, sich Ruhe zu gönnen, und seine Geschäfte zu unterbrechen. Er war seit einigen Tagen erst von seiner Reise nach den Niederlanden zurückgekehrt. Ueberall dort hatte ihn das Volk mit begeistertem Jubel empfangen, überall hatte er die Herzen gewonnen durch seine Leutseligkeit und Güte. Nur die Priester, die Bischöfe und Geistlichen hatten finster dreingeschaut, denn der Kaiser, welcher allen seinen Landen dieselben Gesetze, dieselben Freiheiten und dieselbe Aufklärung geben wollte, der Kaiser hatte auch in Belgien seine neuen Religionsgesetze verkünden lassen. Auch dort sollte die Priesterschaft ihre tyrannische Herrschaft über die Gewissen der Menschen verlieren, auch dort sollte das Volk befreit werden von der Herrschaft der Kirche, und die Geistlichkeit unterthänig werden dem Kaiser und den Gesetzen des Landes. Das war ein Donnerschlag gewesen für die mächtige und hochmüthige Priesterschaft Belgiens, und zornige Blitze waren in ihren Augen aufgeleuchtet. Aber der Kaiser hatte sich den Anschein gegeben, ihre zornigen Blitze nicht zu sehen, und ihre Klagen, die sie, so lange Joseph da war, doch nur halblaut zu murmeln wagten, gar nicht zu hören. Er war nicht gekommen um der