Sechstes Buch: Die Reaction
Eine fürchterliche Nachricht setzte seit einigen Tagen die ganze Aristokratie von Wien in Aufruhr. Schreckensbleich und schaudernd vor Entsetzen flüsterte man einander in's Ohr, das kaiserliche Hofgericht habe sein Urtheil gesprochen über den Grafen Podstadzky Liechtenstein, es habe ihn, gemäß dem neuen Josephinischen Gesetzbuch, verdammt zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und zum Gassenkehren im Sträflingsanzug der gemeinen Verbrecher. Aber dies war noch nicht Alles! Noch eine andere fürchterliche Kunde machte die vornehmen Familien des Adels und des Militairs erbeben. Vor einigen Wochen war der Garde-Obristlieutenant von Szekuly plötzlich aus der Gesellschaft verschwunden, und seine Freunde suchten sich vergeblich dieses unerwartete und geheimnißvolle Verschwinden zu enträthseln. Freilich sagte sein Diener aus, der Herr Obristlieutenant habe eine Reise nach seiner Heimath, nach Ungarn angetreten, aber er sagte das mit so scheuen, ängstlichen Blicken, so sichtbar verstörtem Wesen, daß Niemand an diese Reise glauben mochte. Und der ungarische Obristlieutenant von Szekuly hatte sehr viele Freunde! Alle diese ungarischen Aristokraten, welche in Wien lebten, waren mit ihm befreundet und liirt, in allen Soiréen der vornehmen Welt war der liebenswürdige, joviale und geistvolle Offizier stets eine willkommene und begehrte Erscheinung gewesen, und in zuvorkommender Aufmerksamkeit