Chapter

Kain

Der kleine Junge, der Herrn Rousset täglich Mundvorräte zu bringen pflegte, fand an einem schönen Frühlingsmorgen die Gittertür, die zu seinem Hause führte, angelehnt, während diese sonst stets verschlossen war. Er stieß sie auf, durchschritt den kleinen, mit Kies bestreuten Vorgarten, stieg drei Stufen empor und legte die Hand an die Klingel. Da bemerkte er, daß auch die Tür zur Wohnung offen stand; zögernden Schrittes ging er durch das Vestibül bis zur Küche, die kalt und öde dalag; dann rief er mehrere Male erst leise, dann lauter: Herr Rousset! Niemand gab ihm Antwort. Der Knabe mochte zwölf Jahre alt sein. Bei seinen Kameraden spielte er den Helden; er sagte, daß er den Krieg liebe, daß er nicht an Gespenster glaube. Aber allein, angesichts etwas außergewöhnlicher Dinge, war er durchaus nicht tapferer als ein anderer seiner Freunde. Gerade jetzt kam es ihm nicht ganz geheuer vor, wo er, ohne Erlaubnis, in die Wohnung eines mißtrauischen Sonderlings eingedrungen war, der nur drei Personen über seine Schwelle ließ – die Wäscherin, den Fleischerjungen und ihn, Jean Roche, den Sohn des Obsthändlers. Keinem von diesen war es je gelungen, bis zur ersten Etage zu gelangen; sie trafen sich gewöhnlich vor der Tür und gingen nach Erledigung ihrer Geschäfte wieder zusammen fort, indem sie sich eifrig über ihren sonderbaren Kunden unterhielten, den man in der Nachbarschaft gewöhnlich

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