Chapter

Ein Sturm Der Summt

Der Singende Sturm ist das seltsamste Wetter im Inlandmeer. Er wirft keinen Blitz. Er brüllt nicht. Er summt. Wenn man in das Summen hineinsegelt, wird das Schiff sehr still. Der Wind legt sich. Die Wellen hören auf zu schlagen. Es gibt nur das Summen — lange, langsame Töne, tiefer als der Donner. Käpt'n Mira kannte die Geschichten. Die meisten Piraten mieden den Singenden Sturm. Diejenigen, die es nicht taten, kamen manchmal nicht zurück. Aber Mira hatte Fracht zu liefern: Medizin, für eine Insel, die krank war. Und der einzige schnelle Weg führte mittendurch. „Alle Mann ruhig", befahl sie, als das Summen ihre Mannschaft erreichte. „Kein Schreien. Keine Lieder. Hört zu." Sie hörten zu. Das Summen veränderte sich. Es klang wie viele Stimmen, sehr weit weg, fast als würden sie sprechen. Mira schloss die Augen. Alte Seeleute sagten, der Sturm singe, was in einem ist. Je mutiger man war, desto sanfter das Lied. Sie hörte: — einen tiefen, langen Ton wie die Stimme ihrer Großmutter — einen hohen, hellen Ton wie die Möwe, die ihrem Schiff seit Jahren folgte — einen leisen, dazwischenliegenden Ton, das war Mira selbst, atmend Auch ihre Mannschaft hörte zu. Cob hörte das Wiegenlied seiner Schwester. Edda hörte die Glocke ihres alten Dorfes. Das Summen wurde nicht lauter; es kam nahe, wie etwas, das man ans Herz hält. Langsam, in der Stille, steuerte Mira. Das Steuerrad lag

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