Juristen
Im Hausflure des Amtsgerichtes hängt an der Wand eine große schwarze Tafel, und auf derselben ist ein Bogen Papier mit roten Oblaten angepappt. Wir können im Augenblicke nicht lesen, was darauf geschrieben steht, denn so ein Stücker fünfzehn Bauernburschen stehen davor und probieren, ob sie das Hackelwerk nicht herausbuchstabieren können. Der Vitus vom Lenzbauern in Huglfing bringt es fertig, und wie er mit dem Stecken Zeile für Zeile nachfährt, tut er uns und seinen Gefreunden den Gefallen und liest es mit lauter und sehr vernehmlicher Stimme vor. »Sützung – halt a wengl – des Schäfengerüchtes – druckt's net so eina – vom 8. Januari. Vitus Kreuzpointner – aha! – und, und – dös kann i net lesen – Gä – Gä … – Gänossen hoaßt's – wägen Körperverletzung … Auweh Zwick! Dös bin i, und die Genossen seid's ös! Paßt's auf, Buam, heunt derleb'n wir was, und nix Guats. Heunt geht der schlecht Wind!« »Mir g'fallt's aa scho lang nimmer,« sagt der Oberknecht Hansgirgl, »sitter, daß ich woaß, daß dö Kraglfinger Zeugen macha därfen. Dö wer'n an abscheulichs Zeugnis ableg'n.« »Ja, und die ersten san mer aa,« ruft der »Genosse« Anderl, »dös is allamol schlecht. Da ist der Herr Landrichter no frisch g'laden.« »Der letzte hat no net g'schoben,« meint jetzt bedächtig dem Hofbauern sein Ältester; »dös woll ma seg'n, ob s' uns was macha kinnen; mir san in einer offenbarigen Notwehr befunden gewesen;