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Auf dem Wolfstein

In einem Turmzimmer der Feste Wolfstein saß der Kaplan und las seinen Virgil. Er nannte sich Magister Vulpesius und war ein Italiener. Der Graf vom Wolfstein hatte eine Pilgerfahrt nach Rom gemacht und eine Römerin aus adeligem Geschlechte heimgeführt. Sie war in geistigen Bestrebungen aufgewachsen und wollte ihren Lehrer nicht missen. So war er aus der Sonne Italiens in den Nebel der Harzberge übergesiedelt, wo er den blauen Himmel im Hochsommer seltener sah als im römischen Dezember. Die Stelle eines Kaplans war ohnehin offen gewesen, es wurde nicht gesagt, seit wie lange. Zwei Jahre später lag die junge Edelfrau unter der Steinplatte. Ein Jahr vor ihrem Tode hatte sie einen Sohn geboren, der war nun zwanzig Jahre alt. Er hatte ihn unterrichtet wie vordem seine Mutter. Der junge Graf Otto war außer seinem jüngeren Halbbruder Theodulf der einzige auf dem Wolfstein, der an Künsten des Friedens mehr gelernt hatte als Lesen und Schreiben. Der blonde Theodulf hatte die Wissenschaften zwar gemächlich betrieben, aber doch betrieben. Lieber als die Bücher waren freilich auch ihm sein Schwert und seine Armbrust, nicht zu vergessen der volle Humpen. Der Kaplan fühlte sich insgeheim noch immer als ein Ovidius unter den Barbaren. Nur sein Schüler Otto war ihm ans Herz gewachsen. – Es war ein schwüler Septemberabend. Die Burg lag auf einem Vorberge. Nach Norden hin war offenes Land,

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