Chapter

Junisonne

Im Frühsommer – es war am dreizehnten Juni – hatten drei jüngere Leute im »Basar« im Tivoli zu Mittag gegessen. Sie hatten zwei Flaschen Bordeaux getrunken, waren also weder ganz nüchtern noch geradezu angeheitert, aber, wie der eine von ihnen, Niels Hessel, gemütlich sagte, als sie die Zigarren angezündet hatten: »Des Herzens Saiten sind gestimmt – wenn nun nur das Leben selber darauf spielen wollte, ehe die Stimmung wieder verfliegt!« »Du bist lyrisch angehaucht, Niels!« sagte der zweite, Ingenieur Parbo. »Das, was du Stimmung nennst, ist ja nur eine gewisse angeregte Energie, nichts weiter!« »Ach, die Lyrik wird bei ihm schon verfliegen, wenn er nun zum Herbst sein jütisches Majorat übernehmen muß«, bemerkte der dritte, Magister Erik Blom, bedächtig. »So, also das glaubst du«, entgegnete Hessel. »Ich sollte meinen, ihr könntet dankbar sein, daß ich kein produzierender Lyriker bin, sondern mich damit begnüge, die Poesie im Leben, rings um mich her zu suchen.« »Wo hast du denn gedacht, sie heute abend zu suchen?« fragte Blom. »Laßt uns auf die Lange Linie hinausgehen und ein wenig frische Luft schöpfen«, beeilte sich Parbo zu erwidern, und damit war die Sache abgemacht. Vor dem Tivoli fing Blom an: »Du bist wohl sehr stolz auf das Majorat, das dein Onkel dir hinterlassen hat?« »Stolz? Nein, aber ich bin natürlich glücklich darüber. Ihr beide könnt euch doch nicht über das

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