Ein neuer Mädchentyp
Sie hatten ein Kino besucht und saßen nun bei einem Glase Bier in einem Restaurant im Berliner Norden in eifrigem Gespräch. Die Röte der Scham und eines ehrlichen Unwillens stieg ihr in die Wangen. "Nein, Kurt, das solltest du nicht von mir verlangen!" sagte sie zürnend. Er sah ihr bittend ins Gesicht und griff beschwichtigend nach ihrer Hand, die sie ihm nach leichtem Widerstreben überließ. "Sei doch nicht so - so spießbürgerlich, so kleinstädtisch, Lisbeth! Du bist doch schon fünf Jahre in Berlin und solltest etwas modernere, freiere Ansichten haben." "Modernere?" Es zuckte bitter um ihre Mundwinkel. Modern nennst du das, wenn ein junges Mädchen einen Herrn in seiner Wohnung besucht? Ich nenne das unpassend." "Aber du bist doch kein Backfisch mehr!" entgegnete er lächelnd. "Ich kann nicht finden, daß das, was bei einem Mädchen von sechzehn oder siebzehn Jahren als unmoralisch angesehen wird, nicht auch für eine Dreiundzwanzigjährige erst recht als unschicklich gelten sollte." Er strich liebkosend über ihre Hand. "Aber Lieschen, du kannst mir doch vertrauen. Wir kennen und lieben uns doch nun schon bald ein Jahr. Da sehnt man sich doch danach, sich einmal so recht von Herzen zu küssen und sich so recht behaglich beieinander zu fühlen." "Das können wir doch auch, wenn wir im Sommer wieder Ausflüge machen." Ein frohes Leuchten ging über ihr Gesicht, und der Glanz der Erinnerung