Chapter

Kapitel 1

Im Jahre 1792 besaß die Bürgerschaft von Issoudun einen Arzt namens Rouget, der im Rufe großer Bosheit stand. Einige behaupteten dreist, er quäle seine Frau, obwohl sie die Schönste in der ganzen Stadt war. Sie wird wohl etwas dumm gewesen sein. Trotz aller Neugier der Freunde, allem Geschwätz der Gleichgültigen und aller üblen Nachrede der Neidischen wußte man nicht recht, wie es im Hause Rouget zuging. Der Doktor gehörte zu den Menschen, von denen man sagt: »Mit dem ist nicht gut Kirschen essen.« Solange er lebte, hielt man den Mund und zeigte ihm eine freundliche Miene. Seine Frau, eine geborene Descoings, war schon als junges Mädchen recht schwächlich gewesen, und das soll den Arzt mit veranlaßt haben, sie zu heiraten. Sie bekam erst einen Sohn und dann, seltsamerweise zehn Jahre später, eine Tochter. Die hatte, wie alle Leute meinten, der Doktor, obwohl er Arzt war, gar nicht mehr erwartet. Dieses späte Kind hieß Agathe. Bei solchen einfachen und nicht ungewöhnlichen Einzelheiten brauchte der Erzähler sich nicht gleich zu Beginn seiner Geschichte aufzuhalten, wenn ihre Kenntnis nicht notwendig wäre, um einen Mann vom Schlage des Doktors zu verstehen und ihn nicht schlechthin für ein Ungeheuer, einen unnatürlichen Vater zu halten, während er doch nur den üblen Neigungen nachgab, die sich gewöhnlich mit dem Grundsatze rechtfertigen: »Ein Mann muß Charakter haben!« Diese

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