Kapitel 1
Vier magere Jünglinge und ein fünfter dicker standen in sauber gebürsteten, langen, schwarzen Fräcken mit den frischen Augen junger Eroberer vor ihrem Bischof. Es war Vesperzeit. In schweren, tiefgoldenen Tropfen rieselte die Sonne durch die hohen, engen Nischenfenster in das Gemach. Das uralte Flügelaltärchen und der gewaltige Glasschrank, voll lateinischer und griechischer Bücher, standen schon in violetter Dämmerung. Aber auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers funkelten noch ein paar weiße Tassen und eine Zinnkanne, woraus ein tröstlicher blauer Faden von Kaffeedampf quirlte. Neben dem Pult am Fenster, wo die fünfe standen, lief ein gepolstertes Möbel an der Wand hin, halb Sofa, halb Feldbett. Hier verbrachte der kränkliche Bischof seine vielen schlaflosen Nächte wachend, betend, studierend und im Geiste die hundert Pfarreien und zweihundert Kaplanstübchen seines kleinen, aber schwierigen Bistums visitierend. Die fünf Neupriester hatten die Exerzitien, Fasten und Examen der letzten Wochen tapfer bestanden. Seit wenigen Tagen waren sie Gesalbte des Herrn und kamen sich immer noch in einer sozusagen sakramentalen Verzücktheit, ohne Last und Schwere, wie schwebende Geister oder wie machtvoll bezepterte junge Fürsten oder wie ein paar Heilande der Welt vor. Sie dürsteten nach dem Lande, dessen Antlitz sie erneuern, nach dem Volke, das sie zu lauter Heiligen machen wollten. Ihr