Abschied vom Zimmer
Ein ganz gewöhnliches Zimmer in einem ganz gewöhnlichen Miethaus, nichts Besonderes, nichts Auffälliges, nichts Eigenartiges darin. Zuerst war alles still in dem Zimmer. Der Morgenwind bauschte den weißen Vorhang im offenen Fenster, es gab ein leises, zartes Geräusch. Der Atem des Schlafenden war zu hören, ruhig, gleichmäßig. Draußen pfiff ein Stadtbahnzug vorbei, die Räder holperten; je weiter er sich entfernte, um so stockender wurde das Rattern, tattat – tat ... tattat – tt ... tat – tt ... tat ... Zwei Schläge einer Kirchenglocke, eine Sirene vom Automontagenbetrieb, ein dicker, nach oben sich verbreiternder weißer Strahl in der Luft. Uhr 30. Um diese Zeit wurde die Strecke lebhafter, Zug hinter Zug, der Rauch kroch in die taufeuchten Bahnböschungen, die Häuser am Bahndamm zitterten – alte, hohe Kästen, angerußt, bejahrt und mürrisch. Der Heizer eines Zuges spuckte im weiten Bogen über die Böschung, der Speichel zog sich auseinander, wurde ein Stück vom Winde fortgetragen, hochgetrieben und schließlich zerfetzt. Interessiert sah der Mann auf der Maschine seiner Schöpfung nach. Im Zimmer war alles still, kein Atem mehr zu hören. Der junge Mann im Bett lag noch auf derselben Stelle, die Decke war heruntergerutscht, sie bedeckte den Unterkörper, das rechte Bein hatte sich freigestrampelt. Seine Augen waren geöffnet, sie starrten an die Decke. Diese Decke glich allen übrigen