Chapter

Julie Eberhard

In ihren stilvoll dekorirten und hell erleuchteten Räumen empfing heute die verwittwete Frau Generalkonsul Eberhard die zahlreiche Gesellschaft, welche sich während des Winters an bestimmten Abenden bei ihr einzufinden pflegte. Um die noch immer schöne und lebenslustige Wittwe versammelte sich ein interessanter Kreis hervorragender Männer und Frauen, die sogenannte Elite der Residenz; da waren namhafte Abgeordnete und höhere Beamte, Industrielle und Bankiers mit ihren Damen, Schriftsteller und Künstler, besonders viele Musiker, welche ebenso sehr von der Liebenswürdigkeit der gastfreien Wirthin, wie von der Schönheit ihrer einzigen Tochter angezogen wurden. In der That konnte man nicht leicht eine reizendere Erscheinung sehen, als Julie Eberhard. Wie von Flügeln getragen, schwebte die zarte, fast kindliche Elfengestalt durch den Saal. Das Gesicht, der schlanke Hals, die Büste und die schönen Arme zeigten die edle Blässe des parischen Marmors. Um die Schläfen schmiegte sich das seidenweiche Haar in bläulicher Schwärze; dunkel gewölbte Brauen hoben sich von der weißen Stirn ab, die tiefblauen Augen strahlten, und in ihren Zügen lag jene unbewußte Melancholie, wie sie den antiken Bildwerken eigen ist, welche um die Vergänglichkeit alles irdischen Glückes gleichsam zu trauern scheinen. So stand jetzt Julie im einfachen weißen Kleide neben der eleganten, üppigen Mutter, wie die

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