Zu seinem Bilde (Vorwort von Herman Bang)
(Zu seinem Bilde) Wie wunderlich ist es, diese Bücher wieder zu lesen, die von einem andern geschrieben sind, und in denen doch, in jedem Satz, in jedem Wort, alle die eigenen Jugendpulse schlagen. Wie sonderbar, wieder durch die singenden Wälder der zwanzig Lenze zu wandern, wo der Rotdorn duftete und die wilde Rose. Und die verschlungenen Pfade entlang eilten wir, in unserer goldenen Gedankenlosigkeit, auf Füßen ohne Schwere, Zielen entgegen, die blütenumkränzt waren wie unsere Träume ... Sieh nur die »Lichtung« da, die die Buchen umsäumen. Dort ruhten wir, die Hände unter dem Nacken. Und wir redeten wie die, die sich niemals ausreden können, und unsere Herzen waren wie das offene Buch, und unsere Hoffnung wie das, was nie ein Ende nimmt. Die Freundschaft war ewig, und unendlich war die Liebe. Schmerz gab es nicht, und wer kannte die Reue? Und der Tod war nicht, aber wir waren, und wir zählten zwanzig Lenze ... Und während wir von Welten sprachen und vom Leben und von den Sternen, und unsere Worte alle Schanzen stürmten, und unsere Träume alle Lorbeern geflochten hatten – befragte unsere Hand – so halb im verborgenen – des Gänseblümchens weißen Blätterkranz ... Entsinnst du dich des Weihers? Es stand ein Birkenhain an seinem Ufer, und an der kleinen und verwitterten Brücke lag das morsche Boot des Pfarrers. Du mußtest das Wasser herausschöpfen, wenn an den hellen Abenden des